Vitamin A in der Schwangerschaft
Bedeutung, Quellen und Risiken
Vitamin A spielt eine entscheidende Rolle für zahlreiche Körperfunktionen und ist insbesondere in der Schwangerschaft von großer Bedeutung. Das fettlösliche Vitamin unterstützt die Zellteilung, das Wachstum und die Entwicklung wichtiger Organe beim ungeborenen Kind. Sowohl ein Mangel als auch eine Überdosierung können gesundheitliche Risiken für Mutter und Fötus mit sich bringen.
Was ist Vitamin A?
Vitamin A bezeichnet eine Gruppe fettlöslicher Verbindungen, die im Körper zahlreiche wichtige Funktionen erfüllen. Zu den bedeutendsten aktiven Formen zählen Retinol, Retinal und Retinsäure, die ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommen, sowie Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A (Provitamin A), aus pflanzlichen Quellen.
Vitamin A ist wesentlich für:
- den Sehvorgang (besonders das Dämmerungssehen),
- die Zellteilung und Geweberegeneration,
- die Funktion des Immunsystems,
- sowie die Entwicklung von Herz, Lunge, Augen und Harnwegen während der Embryonalphase.
Da Vitamin A vor allem in der Leber gespeichert wird, enthält Leber entsprechend große Mengen dieses Vitamins.
Vitamin A Bedarf während der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft benötigt der Körper etwas mehr Vitamin A. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt werdenden Müttern täglich 800 μg Vitamin A in Form von Retinolaktivitätsäquivalenten (RAE). Das liegt nur leicht über dem Bedarf nicht-schwangeren Frauen (700 μg RAE).
Vitamin A kann aus verschiedenen Quellen stammen: In tierischen Lebensmitteln wie Eiern, Milchprodukten oder Fisch liegt es bereits in seiner aktiven Form (Retinol) vor. Pflanzliche Lebensmittel liefern dagegen Beta-Carotin, das der Körper je nach Bedarf in Vitamin A umwandelt. Diese Form gilt als besonders sicher, da der Körper selbst steuert, wie viel Vitamin A daraus entsteht. Wichtig ist jedoch, dass pflanzliche Quellen immer zusammen mit etwas Fett gegessen werden – zum Beispiel mit einem Teelöffel Öl –, da Vitamin A fettlöslich ist und sonst schlechter aufgenommen wird. Tierische Lebensmittel enthalten das nötige Fett bereits.
Das Maß „RAE“ hilft, die verschiedenen Formen vergleichbar zu machen: 1 μg RAE entspricht 1 μg Retinol, 12 μg Beta-Carotin (Spaltungsrate: 12:1) oder 24 μg anderer Provitamin-A-Carotinoide (Spaltungsrate: 24:1). Manche Quellen nutzen stattdessen Retinol-Äquivalente (RE): Hier entsprechen 1 μg RE ebenfalls 1 μg Retinol, jedoch bereits 6 μg Beta-Carotin (Spaltungsrate: 6:1) oder 12 μg anderer Provitamin-A-Carotinoide (Spaltungsrate: 12:1).
Insgesamt lässt sich der tägliche Vitamin-A-Bedarf in der Schwangerschaft durch eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung in der Regel gut abdecken.
Vitamin A Quellen
Tierische Quellen für Vitamin A (Retinol)
1 Portion Butter (20 g)
130,6 μg RAE
76,0 μg ß-Carotin | 120,0 μg Vitamin A
1 Portion Thunfisch aus der Dose in Öl (60 g)
91,8 μg RAE
1,8 μg ß-Carotin | 90,0 μg Vitamin A
1 Glas Milch 1,5 % (200 ml)
28,0 μg RAE
16,0 μg ß-Carotin | 30,0 μg Vitamin A
1 Portion Kalbsleber (125 g)
38.136,25 μg RAE
38.136,25 μg Vitamin A
3 Eier
500,4 μg RAE
23,4 μg ß-Carotin | 500,0 μg Vitamin A
1 Scheibe Gouda 45 % Fett i. Tr. (30 g)
85,5 μg RAE
45,0 μg ß-Carotin | 80,0 μg Vitamin A
Pflanzliche Quellen für das Provitamin A (ß-Carotin)
1 Portion Paprika (150 g)
531,0 μg RAE
3.187,5 μg ß-Carotin
1 Portion Feldsalat (50 g)
325,0 μg RAE
1.950,0 μg ß-Carotin
1 Portion Süßkartoffel (150 g)
1.971,0 μg RAE
11.830,5 μg ß-Carotin | 30,0 μg Vitamin A
1 Portion Chicoree (50 g)
286,0 μg RAE
1.715,0 μg ß-Carotin
1 Portion Aprikosen (50 g)
133,5 μg RAE
802,0 μg ß-Carotin
1 Portion Grünkohl (150 g)
1.293,0 μg RAE
7.753,50 μg ß-Carotin
Vitamin-A-Mangel: Ursachen und Folgen
Ein Mangel an Vitamin A entsteht, wenn die Speicher des Körpers aufgebraucht sind, zu wenig Vitamin A oder Beta-Carotin über die Nahrung aufgenommen wird oder der Körper es nicht richtig aufnehmen kann.
Ein Vitamin-A-Mangel kann schwerwiegende Folgen haben, darunter:
- Entwicklungsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge oder des Harn- und Geschlechtsapparates,
- Wachstumsverzögerungen des Fötus,
- Störungen der Schleimhautfunktion und erhöhte Infektionsanfälligkeit,
- sowie ein höheres Risiko für Komplikationen bei Mutter und Kind.
Der Grund: In vielen pflanzlichen Lebensmitteln stecken sogenannte Phytate. Diese Stoffe kommen naturgemäß z. B. in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten (wie Linsen oder Bohnen), Nüssen und Samen vor. Phytate binden Zink im Darm, sodass der Körper es schlechter aufnehmen kann.
Vitamin-A-Mangel gehört weltweit zu den häufigsten ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist er vor allem in Subsahara-Afrika und Südostasien verbreitet. Besonders gefährdet sind Schwangere, Stillende und kleine Kinder in Regionen mit unzureichender Ernährung. Dort konnten Vitamin-A-Supplementationen die Kindersterblichkeit deutlich senken.
In Industrieländern wie Deutschland ist ein Vitamin-A-Mangel hingegen selten. Er tritt meist nur bei sehr einseitiger Ernährung oder bestimmten Erkrankungen auf, die die Aufnahme des Vitamins beeinträchtigen. Besonders betroffen sind Menschen mit Problemen bei der Fettverdauung oder Fettaufnahme, etwa bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn), Lebererkrankungen oder Störungen der Bauchspeicheldrüse. Darüber hinaus kann ein Mangel entstehen, wenn der Körper mehr Vitamin A verbraucht oder verliert – zum Beispiel bei Entzündungen, schweren Verletzungen oder Verbrennungen, chronischem Alkoholmissbrauch oder bestimmten Nierenerkrankungen, bei denen vermehrt Vitamin A über den Urin ausgeschieden wird.
Grundsätzlich liegt der Fokus in Industrienationen vielmehr auf der Vermeidung einer Überversorgung.
Vitamin-A-Überdosierung und Risiken in der Schwangerschaft
Eine übermäßige Aufnahme von Vitamin A kann schädlich sein. Besonders hohe Dosen, etwa durch Nahrungsergänzungsmittel, erhöhen das Risiko für Fehlbildungen beim Ungeborenen. Schwangere, insbesondere im ersten Trimester, sollten daher auch auf den regelmäßigen oder übermäßigen Verzehr stark Vitamin-A-haltiger Lebensmittel, vor allem Leber, verzichten.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt die sichere Obergrenze der täglichen Zufuhr bei 3.000 μg RAE fest.
Symptome einer Überdosierung können sein:
- Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel,
- Haut- und Leberveränderungen,
- Knochenschmerzen,
- im Extremfall Entwicklungsstörungen beim Fötus.
Daher sollte Vitamin A in Form von Nahrungsergänzungsmitteln während der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Empfehlung eingenommen werden.
Fazit: Ausgewogene Vitamin-A-Versorgung ist entscheidend
Vitamin A ist unverzichtbar für die gesunde Entwicklung von Mutter und Kind. Eine ausreichende, aber nicht übermäßige Zufuhr schützt vor Entwicklungsstörungen, stärkt das Immunsystem und unterstützt den Aufbau gesunder Zellen und Gewebe.
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit Beta-Carotin-reichen Lebensmitteln und moderatem Verzehr tierischer Produkte gewährleistet eine sichere Versorgung. Übermäßige Vitamin-A-Aufnahmen, insbesondere durch hochdosierte Präparate, sollten vermieden werden.
Danksagung
Vielen Dank an die FH Münster, insbesondere Janina Dapprich, Prof. Dr. oec. troph. Anja Markant und Prof. Dr. rer. medic. Tobias Fischer, für die Erstellung dieses Artikels im Rahmen des Projektes “Nährstoffkompass”.
