Eisen in der Schwangerschaft
Schlüssel für die Gehirnentwicklung des Babys?
Eisenmangel gehört zu den häufigsten Nährstoffmängeln weltweit – besonders während der Schwangerschaft. Der erhöhte Bedarf an Eisen in dieser Zeit macht eine ausreichende Versorgung entscheidend für die Gesundheit von Mutter und Kind.
Funktion Eisen in der Schwangerschaft
Eisen gehört zu den wichtigsten Mikronährstoffen für unseren Körper. Ab dem 4. Schwangerschaftsmonat steigt der Bedarf deutlich an, da nicht nur die Mutter, sondern auch das ungeborene Kind mit ausreichend Eisen versorgt werden muss. Der Nährstoff unterstützt die Blutbildung, das Wachstum der Plazenta (Mutterkuchen) und ist entscheidend für die Entwicklung des kindlichen Gehirns.
Fehlt Eisen in dieser sensiblen Zeit, kann das schwerwiegende Folgen haben. Neben einem erhöhten Risiko für Frühgeburten und ein zu niedriges Geburtsgewicht kann auch die geistige Entwicklung des Kindes langfristig beeinträchtigt werden. Weltweit sind Millionen Schwangere betroffen, in manchen Regionen sogar mehr als ein Drittel.
Besonders entscheidend sind die ersten 1.000 Lebenstage, das bedeutet von der Empfängnis bis zum zweiten Geburtstag. In dieser Phase entwickelt sich das Gehirn besonders schnell. Eine ausreichende Eisenversorgung trägt daher nicht nur zu einer gesunden Schwangerschaft bei, sondern legt auch den Grundstein für die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes.
Erhöhter Eisenbedarf in der Schwangerschaft
Ab dem vierten Schwangerschaftsmonat benötigt der Körper deutlich mehr Eisen – fast doppelt so viel wie sonst. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt dann eine tägliche Aufnahme von etwa 27 Milligramm, während für nicht schwangere Frauen rund 14–16 Milligramm ausreichen. Der Grund: Das Blutvolumen steigt, um Mutter und Kind ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Dafür muss mehr roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) gebildet werden und dafür wird Eisen benötigt. Auch die Plazenta, die das ungeborene Kind mit Nährstoffen versorgt, braucht Eisen für ihre Entwicklung und Funktion. Ist die Aufnahme bzw. grundlegende Versorgung mit diesem Nährstoff zu gering, kann die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt werden.
Trotz einer bewussten Auswahl von Lebensmitteln und der leichten Steigerung der durchschnittlichen Aufnahme von Eisen im Darmtrakt, gelingt es nicht jeder Schwangeren den gesamten Mehrbedarf ohne zusätzliche Quellen zu decken. Eine ausgewogene Ernährung mit tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln liefert im Durchschnitt 15-20 Milligramm Eisen pro Tag, von denen jedoch nur 1-2 Milligramm tatsächlich ins Blut aufgenommen werden. Ab dem zweiten Trimester werden täglich zusätzlich rund 4-6 Milligramm benötigt, ab dem dritten Trimester sogar 6-7 Milligramm. Idealerweise verfügen Schwangere daher zu Beginn über gut gefüllte Eisenspeicher, denn mit unzureichender Zufuhr können die Speicher schnell erschöpft sein.
Bedeutung von Eisen für die Gehirnentwicklung des ungeborenen Kindes
In den bereits erwähnten wichtigen ersten 1.000 Lebenstagen werden wichtige Strukturen und Funktionen aufgebaut, die das Denken, Lernen und Verhalten ein Leben lang beeinflussen. Eisen spielt dabei eine zentrale Rolle. Es wird benötigt, um wichtige Botenstoffe im Gehirn zu bilden, darunter Dopamin, Melatonin und Serotonin. Diese steuern unter anderem Stimmung, Schlaf und die Kommunikation zwischen Nervenzellen. Eisen unterstützt außerdem den Aufbau der Myelinschicht, einer schützenden Ummantelung der Nervenfasern, die eine schnelle und effiziente Signalübertragung ermöglicht. Auch für die Energieversorgung der Gehirnzellen ist Eisen unverzichtbar. Zudem beeinflusst es die synaptische Plastizität, die Fähigkeit des Gehirns, Verbindungen zwischen Nervenzellen zu stärken oder zu verändern. Das ist die Grundlage für Lern- und Gedächtnisprozesse.
Der Zugang von Eisen ins Gehirn wird streng reguliert, damit einerseits genügend vorhanden ist, andererseits aber keine schädliche Überladung entsteht. Fehlt Eisen in der Schwangerschaft, kann dies beim Kind zu Verzögerungen in der geistigen, motorischen und emotionalen Entwicklung führen – teils mit Folgen bis ins Erwachsenenalter. Auch indirekte Effekte, wie eine durch Eisenmangel ausgelöste Erschöpfung oder Depression der Mutter, können die Entwicklung des Kindes negativ beeinflussen.
Eisenmangel in der Schwangerschaft
Ein Eisenmangel wird oft erst bei den regulären Vorsorgeuntersuchungen entdeckt, meist durch die Messung des Hämoglobinwertes. Um ein Defizit sicher festzustellen, sind jedoch weitere Blutwerte wichtig, zum Beispiel der Ferritinwert, der den Füllstand der Eisenspeicher anzeigt. Liegt dieser unter 30 μg/L, sind die Speicher mit hoher Wahrscheinlichkeit erschöpft – selbst wenn der Hämoglobinwert noch normal ist. Da Ferritin auch bei Entzündungen erhöht sein kann, wird häufig zusätzlich der CRP-Wert, ein unspezifischer Marker für Entzündungen, gemessen. Ein anderer zuverlässiger Wert ist die Transferrinsättigung: Liegt sie unter 20 %, deutet dies auf einen funktionellen Eisenmangel hin. Das bedeutet, dass im Körper zwar noch genügend Eisen gespeichert ist, dieses aber in nicht ausreichender Menge für die Blutbildung (Erythropoese) zur Verfügung steht.
Neben Eisenmangel können auch erblich bedingte Blutbildungsstörungen eine Rolle spielen. In Familien mit entsprechender Vorgeschichte oder bei ungewöhnlichen Blutwerten kann eine spezielle Untersuchung (Hämoglobin-Elektrophorese oder HPLC) sinnvoll sein.
Vorbeugung und Behandlung von Eisenmangel in der Schwangerschaft
Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist die wichtigste Grundlage, um einen Eisenmangel vorzubeugen. Die DGE empfiehlt während der Schwangerschaft viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Milchprodukte, fettarmes Fleisch, Fisch und Eier können in moderaten Mengen den Speiseplan ergänzen. Süßigkeiten, zuckerhaltige Getränke, salzige Snacks und stark fetthaltige Lebensmittel sollten nur selten verzehrt werden. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist besondere Aufmerksamkeit nötig, da pflanzliches Eisen vom Körper schlechter aufgenommen wird. Hier hilft die Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln wie Paprika, Beeren oder Zitrusfrüchten, um die Aufnahme im Darm zu verbessern.
Eisenpräparate sollten nur eingenommen werden, wenn ein Mangel ärztlich festgestellt wurde, denn: sowohl ein Mangel als auch eine Überversorgung können gesundheitliche Probleme verursachen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt bei Nahrungsergänzungsmitteln eine Höchstmenge von 6 mg Eisen pro Tag. Für Schwangere gilt: Präparate nur in Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin verwenden.
Eine einheitliche Empfehlung für eine routinemäßige Eisenversorgung in der Schwangerschaft gibt es bislang nicht. Eine frühzeitige Diagnose und passende Behandlung helfen, Komplikationen zu vermeiden und Mutter und Kind optimal zu versorgen. Auch die Beratung durch eine spezialisierte Ernährungsfachkraft kann bei Unsicherheiten in der Schwangerschaft und nach der Geburt helfen.
1 Portion rote Beete (ca. 150 g)
1,33 mg Eisen
15 mg Vitamin C
1 Portion Geflügelleberwurst (30g)
7,03 mg Eisen
7,53 mg Vitamin C
1 Portion Linsen (60 g)
4,50 mg Eisen
0,60 mg Vitamin C
2 EL Sonnenblumenkerne (20 g)
1,14 mg Eisen
0 mg Vitamin C
1 Portion Blattspinat (200 g)
8,83 mg Eisen
101, 15 mg Vitamin C
5 EL Haferflocken (50 g)
2,22 mg Eisen
0 mg Vitamin C
Danksagung
Vielen Dank an die FH Münster, insbesondere Janina Dapprich, Prof. Dr. oec. troph. Anja Markant und Prof. Dr. rer. medic. Tobias Fischer, für die Erstellung dieses Artikels im Rahmen des Projektes “Nährstoffkompass”.
